Schützen und Nützen

Zu den Zielen des Naturparks zählt es, die wertvolle Kultur- und Naturlandschaften rund um die Nagelfluhkette langfristig zu bewahren. Die landschaftliche Einzigartigkeit des Gebiets, die Vielfalt der Lebensräume und das große Artenreichtum sollen für künftige Generationen gesichert werden. Dafür setzen sich viele Menschen in den 15 Naturparkgemeinden ein: die Mitarbeiter des Naturparks, Ranger, Naturparkführer, die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden, der länderübergreifend besetzte Beirat und die Menschen vor Ort. Sie alle sind Teil des länderübergreifenden Naturpark- Netzwerks. Gemeinsam tragen sie dazu bei, die Region nachhaltig zu entwickeln – und damit die Lebensgrundlage der Menschen, Tiere und Pflanzen im Allgäu und im Bregenzerwald dauerhaft zu sichern.

Unsere Verantwortung

Landschaftliche Vielfalt und nachhaltige Bewirtschaftung machen den Naturpark Nagelfluhkette zu einem Gebiet mit einer außergewöhnlich hohen Artenvielfalt. Die hohe Biodiversität resultiert aus einer starken Vernetzung kleinräumig angeordneter Lebensräume und Strukturen, die vielmals erst durch menschliche Nutzung entstanden sind. Diese Vielfalt auf kleinem Raum gibt Stabilität in den herausfordernden Zeiten des Klimawandels. Die naturnahe Landschaft ist durch ihre Ökosystemdienstleistungen von unschätzbarem Wert. Sie dient nicht nur der Erholung, vielmehr bildet sie die Grundlage unserer Versorgung und bietet durch klimaregulierende Funktionen und Wasserrückhalt Schutz vor Extremereignissen.

Gemeinsam mit unseren Partnern und den Landbewirtschaftern arbeiten wir daran, die Vielfalt, Schönheit und Leistungsfähigkeit unserer Landschaft zu erhalten und unsere Region für die Zukunft klimafit zu gestalten.

Was wir dafür tun

Ganz nach dem Motto „Schützen und Nützen“ steht im Naturpark Nagelfluhkette der kooperative Ansatz an erster Stelle. Gemeinsam mit einem starken Partnernetzwerk arbeiten wir langfristig am Erhalt wertgebender Schutzgüter.  Zudem stehen wir unseren Mitgliedsgemeinden und Partnern in fachlicher und organisatorischer Hinsicht bei der Umsetzung von Projekten unterstützend zur Seite.

Landschaftspflege

Unsere strukturreiche Natur- und Kulturlandschaft bietet einer hohen Vielzahl seltener Arten einen Lebensraum. Wir setzen uns gemeinsam mit den Bewirtschaftern und Grundeigentümern dafür ein, dass die Lebensräume bedrohter Tagfalter und Raufußhühner dauerhaft erhalten bleiben. Dazu führen wir Landschaftspflegemaßnahmen, wie zum Beispiel Entbuschungen oder Pflegemahd, durch.

Moorrenaturierung

Moore sind von zentraler Bedeutung als Kohlenstoffspeicher und Wasserrückhalt und bieten zahlreichen spezialisierten Arten einen Lebensraum. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Moore im Naturpark zu bewahren und durch Renaturierungsmaßnahmen klimafit zu gestalten. Maßnahmen wie Wegeverlegungen und Besucherlenkung helfen Trittschäden in den Feuchtflächen zu reduzieren und die empfindliche Vegetation zu regenerieren. 

Naturschutzorientierte Wegesanierungen

Wind, Wetter und eine hohe Frequentierung unserer Wanderwege resultieren in Erosion und Zustandsverschlechterung. Durch Ausweichbewegungen entstehen auf den angrenzenden, geschützten Bergwiesen Trampelpfade und die Flächen werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Zuge von naturschutzorientierten Wegesanierungen werden diese wertvollen Biotope renaturiert und die Qualität der Wanderwege wiederhergestellt.

Besucherlenkung

Der Naturpark kümmert sich insbesondere um Arten und Lebensräume, für die wir eine besondere Verantwortung haben, bzw. die besonders verletzlich oder störempfindlich sind. Der Naturpark bemüht sich, im Rahmen der Initiativen „Dein Freiraum. Mein Lebensraum. Verantwortungsvoll in der Natur unterwegs.“ und „Respektiere deine Grenzen“ Sportler und Erholungssuchende um die Kerngebiete der Arten herumzulenken.

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ÖKOSYSTEMLEISTUNGEN

Ziel des 2023 gestarteten Interreg-Projektes ist es, die Ökosystemleistungen und die Resilienz der extrem wertvollen und kleinteiligen Kulturlandschaften des Naturparks Nagelfluhkette im Klimawandel zu erhalten und langfristig zu steigern. Hierzu wird das kleinteilige Lebensraummosaik, das eine unverzichtbare Basis für die Daseinsvorsorge darstellt, raumbezogen erfasst und bewertet. In Piloträumen erfolgt zudem eine modellhafte Umsetzung eines bereits vorhandenen, gemeinwohlorientierten Maßnahmenkatalogs.

Selbst aktiv werden

 

Bei „Anpacken.Mithelfen – Viel(falt) schaffen“ sind alle willkommen, die sich aktiv und direkt vor Ort für die Pflege und den Erhalt unserer vielfältigen Landschaft einsetzen möchten. Alle, die einfach gerne gemeinsam draußen mit anpacken oder neugierig sind, warum Landschaftspflege früher, wie auch heute noch, so wichtig ist. Mit vereinten Kräften entbuschen wir ausgewählte Flächen um wieder Platz für lichtliebende Moorpflanzen, die seltenen Raufußhühner oder den Apollofalter zu schaffen. Außerdem kümmern wir uns um die Instandhaltung der Wanderwege im Naturpark und tragen einen Teil dazu bei, dass sich sowohl Wanderer als auch die Bergflora wohl fühlen können. 
Gemeinsame Landschaftspflege macht Spaß – und hungrig! Deshalb laden wir euch im Anschluss auf eine Brotzeit mit regionalen Köstlichkeiten ein.

Zu den Terminen

 

 

Unsere Schutzgebiete

  • Natur- und Landschaftsschutzgebiete

    Es gibt verschiedene Arten von Schutzgebieten im Naturpark. Am bekanntesten sind die Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Für sie gibt es jeweils sogenannte „Schutzgebietsverordnungen“ in denen geregelt ist, was erlaubt und was verboten ist.

    Naturschutzgebiete gibt es auf Allgäuer Seite nur eines - dieses reicht nur am Rand vom Gottesackerplateau im Süden in den Naturpark hinein. Zwei weitere Naturschutzgebiete gibt es im Vorarlberger Teil des Naturparks. 

    Landschaftsschutzgebiete sind großräumig und für den Naturpark sehr bedeutsam. Ein Bayerischer Naturpark muss zum Beispiel zu mindestens 50 Prozent seiner Fläche aus Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebieten bestehen. Im Naturpark liegen fünf Landschaftsschutzgebiete, unter anderem die Hörnergruppe, die Nagelfluhkette und der Große Alpsee. In den ersten beiden gilt per Verordnung übrigens die inzwischen viel diskutierte Zwei-Meter-Regel für Radfahrer. 

    Zu den Verordnungstexten: 

    Landschaftsschutzgebiet Hörnergruppe

    Landschaftsschutzgebiet Nagelfluhkette

    Landschaftsschutzgebiet Großer Alpsee

    Landschaftsschutzgebiet Kleiner Alpsee

    Landschaftsschutzgebiet Tiefenberger Moos

    Naturschutzgebiet Hoher Ifen

    Naturschutzgebiet Rossbad

    Naturschutzgebiet Kojenmoos

  • Natura 2000

     

    Wichtig sind zudem die Europaschutzgebiete der Natura2000 Richtlinie. Ziel ist es, innerhalb der Europäischen Union ein Schutzgebietsnetzwerk aufzubauen, um gefährdete Pflanzen, Tiere und Lebensräume zu erhalten. Die sogenannten Zielarten beziehungsweiese Lebensräume müssen dabei nicht immer extrem selten sein. Wichtiger ist, dass diese ihren Verbreitungsschwerpunkt bei uns haben und wir somit eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt haben.

    Es wird zwischen den Flora-Fauna-Habitat (kurz FFH) -Gebieten und den Gebieten nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie (kurz SPA) unterschieden. Letztere haben besonders geschützte Vogelarten und deren Lebensräume im Fokus.

    In Europaschutzgebieten gilt generell ein sogenanntes Verschlechterungsverbot, das heißt, dass keine Maßnahmen durchgeführt werden dürfen, die sich negativ auf die Zielarten beziehungsweise Lebensräume auswirken. Für bereits bestehende Landbewirtschaftungsformen gibt es keine Einschränkungen. Details zu den Erhaltungszielen und zu Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität werden in den sogenannten Managementplänen festgelegt.

  • Naturwaldreservate

    Neben den größeren, flächigen Schutzgebieten gibt es noch Naturwaldreservate (im Naturpark ist dies das Naturwaldreservat Achrain in Oberstaufen) sowie einzelne geschützte Landschaftselemente. Letzteres sind meist sehr alte Bäume, die als Naturdenkmal besonders geschützt sind.

Ein Großschutzgebiet

Damit ein Gebiet das Prädikat "Naturpark" erhält, muss es einige Vorraussetzungen erfüllen. So handelt es sich bei Naturparks um großräumige Kulturlandschaften, die eine Region prägen und ihr ein unverwechselbares Gesicht geben. Als international anerkanntes Schutzgebiet stehen Naturparke in einer Reihe mit Nationalparken und Biosphärengebieten. In ihnen spielt die enge Verknüpfung von Naturschutz und Erholung eine zentrale Rolle. 

Dabei stehen die Aufgabenfelder Schutz, Erholung, Bildung und Regionalenwicklung gleichberechtigt nebeneinander. "Schützen und nützen" ist typisch für Naturparke, in denen der Mensch kein Störfaktor, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Natur- und Kulturlandschaft ist. 

Naturparke sind im Bayerischen Naturschutzgesetz festgesetzt.

Es gibt verschiedene Arten von Schutzgebieten, die sich innerhalb der Naturparkgrenzen befinden. Im Folgenden werden diese vorgestellt:

Die Grenzen der verschiedenen Schutzgebiete können im BayernAtlas und im Vorarlberg Atlas eingesehen werden. 

Arnika
(Arnica montana)

Die aromatisch duftende Arnika ist mit ihren bis zu acht Zentimeter großen, goldgelben Blütenkörbchen eine auffällige Erscheinung. Sie blüht zwischen Juni und August auf mageren, kalkarmen Bergwiesen und Bergweiden, in lichten Wäldern sowie in den Mooren des Naturparks. Die geschützte Blume wird auch Berg-Wohlverleih genannt und zählt sicherlich zu den bekanntesten Heilpflanzen der Alpen. Arnikatinkturen und Salben unterstützen mit ihrer schmerzstillenden, entzündungshemmenden und keimtötenden Wirkung die Wundheilung.

Roter Apollo
(Parnassius apollo)

Mit einer Flügelspannweite von über sieben Zentimetern zählt der Apollo zu den größten Tagfaltern Mitteleuropas. Durch deren Größe und die mit roten Augenflecken besetzten weißen Flügel fallen die Falter auf.  Als wärmeliebende Art lebt er in den südexponierten, mit Felsblöcken durchsetzten Hängen und Magerrasen, die schon seit Jahrzehnten durch extensive Beweidung und Schwenden offen gehalten werden. Der seltene Schmetterling ist im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens weltweit geschützt. 

Auerhuhn
(Tetrao urogallus)

Die vom Aussterben bedrohten Auerhühner stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und sind äußerst störungsempfindlich. Im Naturpark leben sie in ruhigen, reich strukturierten Bergwäldern mit einer geschlossenen Strauchschicht, die ihnen Deckung bietet. 

Alpen-Mosaikjungfer 
(Aeshna caerulea)

Die sehr seltene Alpen-Mosaikjungfer kommt in Deutschland nur an wenigen Stellen vor und hat ihre besten Bestände im Naturpark Nagelfluhkette. Sie ist die einzige Libellenart, deren Verbreitung ausschließlich auf höhere Lagen beschränkt ist. Sie fliegt vor allem an sauren Moorgewässern mit angrenzenden Latschenbeständen. 

Stein-Nelke
(Dianthus sylvestris)

Die hübsche Stein-Nelke mit ihren intensiv rosa gefärbten Blüten ist eine echte Seltenheit. Sie wächst direkt am Grat der Nagelfluhkette auf Felsrippen und in steindurchsetzten Magerrasen. Sie ist perfekt an die rauen und trockenen Bedingungen am  Grat angepasst. Wegen ihrer großen Seltenheit darf sie auf keinen Fall gepflückt werden. 

Schwarzer Apollo
(Parnassius mnemosyne)

Der vielerorts selten gewordene Schwarze Apollo hat im Naturpark ein wichtiges Verbreitungszentrum in Mitteleuropa. Er fliegt vor allem an Waldsäumen mit angrenzenden, extensiv genutzten Wiesen und Hochstaudenfluren. 

Birkhuhn
(Lyrurus tetrix)

Das Birkhuhn kommt im Naturpark ab etwa 1.300 Meter Höhe vor und besiedelt die Kampfzone des Bergwaldes, also Waldränder und die daran angrenzenden Zwergstrauchheiden und Offenflächen. Es ernährt sich vorwiegend von Knospen, Trieben, Kräutern und Nadeln. Spektakulär ist die Arenabalz der Birkhähne im Frühjahr und Spätherbst: Dann werben die Männchen mit Zischlauten, kilometerweit zu hörendem Kullern und Flattersprüngen um die Gunst der Weibchen. Die Birkhuhn-Bestände im Naturpark zählen zu den bedeutendsten am nördlichen Alpenrand.

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