Richtig spannend wird es im Naturpark, wenn die Dämmerung einsetzt und es endlich dunkel wird. Wer ist eigentlich in der Dämmerung unterwegs? Wer raschelt dort im Dunkeln?

Im Schatten der Dunkelheit erwacht eine Vielzahl an talentierten Jägern. Doch auch sie können sich nicht in der Sicherheit der völligen Dunkelheit wähnen. Wenn sich der Sternenteppich am klaren Nachthimmel ausbreitet, scheint deren Licht auf die Gipfel der Nagelfluhkette. Dort kann man die Himmelskörper abseits vom Licht großer Städte in ihrer ganzen Schönheit erleben.

Verborgene Jäger

Wenn die Dunkelheit heranbricht, kann man in die verborgene Tierwelt der Nacht eintauchen. Im Schatten des Mondes und der Sterne werden ganz besondere Jäger aktiv, unter ihnen Fledermäuse. Die schnellen Jäger kann man nur schwierig ohne Hilfsmittel beobachten - außer sie befinden sich im ruhigen Winterschlaf. Im Naturpark kann man die faszinierenden Nachtbewohner in ihrem Winterquartier besuchen - der Sturmannshöhle. Die Sturmannshöhle in Obermaiselstein ist die einzige öffentlich zugängliche Höhle im Naturpark, sogar die einzige im ganzen Allgäu. Sie kann ganzjährig im Rahmen von Führungen besucht werden. Die Höhle wird wegen der dunklen Stille und der konstanten Temperatur von etwa 8°C von zahlreichen Fledermausarten gern als Winterstube genutzt.

Waldkauz (Strix aluco)

Der Waldkauz ist die häufigste Eule Mitteleuropas. Im Gebiet besiedelt er die Waldlebensräume der Täler und mittleren Hanglagen. Als vielseitiger Nachtjäger ernährt er sich von Kleinsäugern, Vögeln, Fröschen und sogar Regenwürmern. Ihre Jungen bringen Waldkäuze meist in geräumigen Baumhöhlen zur Welt. Etwa vier Wochen nach dem Schlüpfen verlassen die noch flugunfähigen, jungen Käuze das Nest und sitzen auf Ästen in Nestnähe. Die Eltern versorgen ihren Nachwuchs noch mehrere Wochen mit Nahrung und verteidigen ihn vehement gegen Störenfriede. Im Winter und Frühjahr erklingt das schaurige huhuhu-huu der Männchen, das auch in Fernsehkrimis für Spannung sorgt.

Uhu (Bubo bubo)
 

Der Uhu ist mit einer Körpergröße von über 60 Zentimetern die größte europäische Eulenart. Er besiedelt vor allem die Felslebensräume und profitiert von der strukturreichen Landschaft im Naturpark. Idealerweise wechseln sich in seinem Jagdgebiet Gewässer, Wälder, Hecken und offene Flächen ab. Trotz seiner Größe ist der Uhu ein sehr geschickter Flieger. In der Dämmerung macht er Jagd auf Säugetiere und Vögel, die oft komplett mit Haut und Haar verschluckt werden. Die unverdaulichen Reste werden dann als Gewölle wieder hervorgewürgt. 

Das Bild zeigt ein Gewölle eines Uhus.

Fledermäuse (Chiroptera)

 

Fledermäuse sind eine ganz besondere Säugetierordnung - sie sind die einzigen Säugetiere die aktiv fliegen können. Doch das ist nicht ihre einzige Besonderheit: Durch ihre Fähigkeit der Echoortung sind die nachtaktiven Jäger nicht auf ihre Augen angewiesen und können auch kleinste Beutetiere, wie Mücken, Fliegen und Nachtfalter auffinden. Obwohl die Ultraschalllaute, die zur Orientierung und Jagd verwendet werden, für uns Menschen nicht hörbar sind, können wir Fledermäuse trotzdem belauschen: Mit Hilfe von Fledermausdetektoren können die Laute hörbar gemacht werden und geben einen spannenden Einblick in das Leben der Fledermäuse.

 

Alp- Bauernland

Das Landschaftsbild des Naturparks ist geprägt von der Alpwirtschaft. Der Mensch ist hier kein Störfaktor, sondern unverzichtbarer Teil der Natur- und Kulturlandschaft. So sind die Alpflächen durch die seit Jahrhunderten andauernde, nachhaltige Bewirtschaftung zu Zentren der Artenvielfalt geworden. Auf einzelnen Alpflächen blühen bis zu 290 verschiedene Pflanzenarten.

Wald- und Baumland

Der Naturpark Nagelfluhkette besteht zur Hälfte aus Wald. Je nach Höhenlage, Standort und Bewirtschaftungsform haben sich dabei verschiedene Waldgesellschaften ausgebildet, die oft von ganz unterschiedlichen Tieren und Pflanzen bewohnt werden. Während in den tieferen Lagen Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen dominieren, spielt in den höheren Lagen die Fichte eine zentrale Rolle.

Bäche, Flüsse, Seen

Schroffe Berge, wilde Schluchten, weite Täler – die landschaftliche Schönheit des Naturparks Nagelfluhkette ist ohne die Kraft des Wassers nicht denkbar. Seit rund 30 Millionen Jahren lagern Alpenflüsse Kiese, Sande und Tone im Alpenvorland ab – und liefern so das Material für fruchtbare Böden und markante Gesteine. Wasser in seiner festen Form hat in der Vergangenheit ebenfalls viel zur Gestaltung der Landschaft beigetragen: Die Gletscher der letzten Eiszeit schliffen die breiten Täler aus, in denen heute die Menschen siedeln.

Enkeltauglichkeit

Zu unseren Zielen gehört es, die wertvollen Kultur- und Naturlandschaften rund um die Nagelfluhkette langfristig zu bewahren. Die landschaftliche Einzigartigkeit unserer Heimat, die Vielfalt der Lebensräume und der große Artenreichtum sollen für künftige Generationen gesichert werden und erlebbar bleiben. Dafür setzen sich viele Menschen in den Naturparkgemeinden ein: Die Mitarbeiter des Naturparks, unsere Ranger, die Naturpark-Führer, die Gastgeber und viele Menschen vor Ort – sie alle sind Teil des länderübergreifenden Naturpark-Netzwerkes. Gemeinsam tragen sie dazu dabei die Region nachhaltig zu entwickeln – und damit die Lebensgrundlage der Menschen, Tiere und Pflanzen im Bregenzerwald und im Allgäu zu sichern und für unsere Enkel zu erhalten.

Logo_INTERREG_2014-2020_EU.jpg
foerderlogo_StmuV_Umweltministerium.jpg