Heute zählen Bäche und Flüsse zu den wichtigsten Landschaftsgestaltern im Naturpark. Durch das steile Relief (hohe Berge, tiefe Täler) weisen sie ein starkes Gefälle auf. Entsprechend groß ist die Kraft, die ihnen innewohnt. Sie rauschen mit hohen Fließgeschwindigkeiten zu Tal – und formen dabei ihre Bach- und Flussbetten, ihre Ufer und die umgebende Landschaft immer wieder um.

Die Kraft des Wassers

Flüsse wie Bregenzerach, Bolgenach, Weißach, Rotach und Subersach zählen zu den wichtigsten Landschaftsgestaltern im Naturpark. Durch die großen Höhenunterschiede zwischen Quelle und Mündung weisen sie ein starkes Gefälle auf. Entsprechend groß ist die Kraft, mit der sie talwärts stürzen. Besonders während eines Hochwasserereignisses treten hohe Fließgeschwindigkeiten auf und formen das Flussbett, die Ufer und die Umgebung um. Im Naturpark haben sich die Flüsse so im Laufe der Jahrtausende tief in die Landschaft eingeschnitten und mächtige Schluchten und Tobel gebildet. Sie ließen in den Talböden höher gelegene Terrassen zurück, auf denen heute die Menschen siedeln.

Hier teilt sich der Weg…

Viel Wasser für die Nordsee und das Schwarze Meer -  Da die Europäische Hauptwasserscheide mitten durch den Naturpark läuft, ist das Gebiet von zwei sehr unterschiedlichen Abflusssystemen geprägt. Die Flüsse im westlichen Teil, also Subersach, Bolgenach, Weißach und Rotach, fließen über die Bregenzerach in den Bodensee und somit über den Rhein in die Nordsee. Die Flüsse im östlichen Teil des Parks (Gunzesrieder Ach, Konstanzer Ach, Weiler Ach) münden hingegen in die Iller und entwässern über die Donau ins Schwarze Meer.

Eintauchmöglichkeiten

Für Badespaß und einen schönen Promenadenspazierungang bietet sich der Großen Alpsee in Immenstadt an. Beeindruckende Fließgewässer und erfrischende Gumpen findet man an den Buchenegger Wasserfällen bei Oberstaufen. Ein lehrreiches Gesamterlebnis bietet der Themenweg im Haldertobel bei Gunzesried - dort wird die Kraft des Wassers in Verbindung mit besonderen Naturschönheiten erlebbar. Einzigartig sind auch die Quelltuffbildungen an der Subersach in Lingenau. Das größte Quelltuffgebiet Vorarlbergs gilt als großartigste Kalksinterbildung nördlich der Alpen!

Wasseramsel (Cinclus cinclus)

Als einziger europäischer Singvogel der schwimmen und tauchen kann, ist die Wasseramsel perfekt an ein Leben am und im Gebirgsbach angepasst. Der kleine Vogel steckt seinen Kopf ins Wasser und dreht mit seinem Schnabel Steinchen um – immer auf der Suche nach Insektenlarven, Bachflohkrebsen und anderen kleinen Wassertieren. Ist das Wasser tiefer, geht die Wasseramsel schwimmend und tauchend auf Nahrungssuche. Bis zu einer halben Minute kann sie unter Wasser bleiben – und dabei Strecken von mehr als 10 Metern zurücklegen.

Großer Alpsee

Bei den stehenden Gewässern im Naturpark ist der Große Alpsee als größter natürlicher See des Allgäus und des Bregenzerwaldes von besonderer Bedeutung. Er ist über drei Kilometer lang und an seiner tiefsten Stelle knapp 23 Meter tief. Die Entstehungsgeschichte des Sees reicht etwa 10.000 Jahre bis zum Ende der letzten Eiszeit zurück. Als sich damals der Illergletscher aus dem Konstanzer Tal zurückzog, ließ er ein tief ausgeschürftes, weites Trogtal zurück. Die Schmelzwässer des zurückweichenden Eises füllten den Talboden fast 100 Meter hoch mit Schottern auf. Da aber an der Stelle des heutigen Alpsees eine große Eismasse liegen blieb (Toteis), wurde dieser Bereich damals nicht mit Schottern zugeschüttet.

Biber (Castor fiber)

Der dämmerungs- und nachtaktive Biber war im Naturpark lange Zeit ausgestorben, ist aber seit einigen Jahren am Alpsee und an der Iller wieder heimisch. Er betätigt sich regelrecht als Flussbaumeister, staut Dämme auf und gestaltet die Landschaft um. Mit seinem breiten, abgeflachten Schwanz und den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen ist er hervorragend ans Wasserleben angepasst. Die Tage verschläft er in seiner Biberburg.

Bachforelle (Salmo trutta forma fario)

Die Bachforelle ist perfekt an das Leben in den wild sprudelnden Gebirgsbächen angepasst. Mit ihrem stromlinienförmigen Körper kann sie eine Spitzengeschwindigkeit von 35 Stundenkilometern erreichen. In jungen Jahren ernährt sie sich von Insektenlarven und anderen kleinen Wassertieren. Im Alter wird die Bachforelle zu einem geschickten Fischräuber, der Mühlkoppen, Elritzen und kleinere Artgenossen erbeutet.

Bergmolch (Ichthyosaure alpestris)

Der Bergmolch ist bei der Wahl seiner Laichgewässer anspruchslos. Er sucht im Frühjahr Tümpel, Gräben, wassergefüllte Traktorspuren und andere Kleingewässer auf, um einen Partner zu finden und abzulaichen. Während dieser Zeit wirken die Männchen mit ihren roten Bäuchen, himmelblauen Längsbändern und schwarzweißen Rückensäumen besonders farbenfroh. Ihre Landtracht ist hingegen unscheibar. Sie leben an Land sehr versteckt.

Alp- Bauernland

Das Landschaftsbild des Naturparks ist geprägt von der Alpwirtschaft. Der Mensch ist hier kein Störfaktor, sondern unverzichtbarer Teil der Natur- und Kulturlandschaft. So sind die Alpflächen durch die seit Jahrhunderten andauernde, nachhaltige Bewirtschaftung zu Zentren der Artenvielfalt geworden. Auf einzelnen Alpflächen blühen bis zu 290 verschiedene Pflanzenarten.

Wald- und Baumland

Der Naturpark Nagelfluhkette besteht zur Hälfte aus Wald. Je nach Höhenlage, Standort und Bewirtschaftungsform haben sich dabei verschiedene Waldgesellschaften ausgebildet, die oft von ganz unterschiedlichen Tieren und Pflanzen bewohnt werden. Während in den tieferen Lagen Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen dominieren, spielt in den höheren Lagen die Fichte eine zentrale Rolle.

Naturpark bei Nacht

Nur 33 Menschen siedeln im Naturpark Nagelfluhkette pro Quadratkilometer. Das ist relativ wenig. Die dünne Besiedlung ebenso wie die entfernt liegenden Großstädte bringen nach Sonnenuntergang, was vielerorts mittlerweile selten geworden ist: eine ruhige, dunkle Nacht. Nur sie eignet sich gut für die Betrachtung des nächtlichen Sternenhimmels. Über der Nagelfluhkette gibt es kaum Lichtverschmutzung. Das bedeutet gute Sicht für das Erleben der Nacht und Sternenbeobachtungen. Hier im Naturpark erfährt man noch, was zwei Drittel der europäischen Stadtmenschen kaum noch kennen: eine Nacht, hell nur vom Mond oder dem Sternenhimmel.   

Enkeltauglichkeit

Zu unseren Zielen gehört es, die wertvollen Kultur- und Naturlandschaften rund um die Nagelfluhkette langfristig zu bewahren. Die landschaftliche Einzigartigkeit unserer Heimat, die Vielfalt der Lebensräume und der große Artenreichtum sollen für künftige Generationen gesichert werden und erlebbar bleiben. Dafür setzen sich viele Menschen in den Naturparkgemeinden ein: Die Mitarbeiter des Naturparks, unsere Ranger, die Naturpark-Führer, die Gastgeber und viele Menschen vor Ort – sie alle sind Teil des länderübergreifenden Naturpark-Netzwerkes. Gemeinsam tragen sie dazu dabei die Region nachhaltig zu entwickeln – und damit die Lebensgrundlage der Menschen, Tiere und Pflanzen im Bregenzerwald und im Allgäu zu sichern und für unsere Enkel zu erhalten.

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